Politiker diskutieren über öffentliche Gesundheits-Vergleichsportale

Ob Urlaub, Mobilfunkvertrag, Auto-Haftpflicht, Krankenversicherung oder Stromanbieter: 83 Prozent der Verbraucher in Deutschland haben Statistiken zufolge im Jahr 2018 Vergleichsportale im Internet genutzt. 18 Prozent taten dies sogar sehr häufig. Auch zu Themen rund um Medizin, Fitness, Wellness, Pflege, Sport oder Ernährung gibt es Gesundheits-Vergleichsportale.

Sie ermöglichen einen praktischen Vergleich von Angeboten und Leistungsprofilen. Was bieten Krankenhäuser, Arztpraxen, Apotheken oder Pflegeeinrichtungen? Vergleichsportale versprechen Verbraucherfreundlichkeit und Preistransparenz. Doch nicht immer sind sie seriös. Insbesondere im Gesundheitsbereich sind Online-Recherchen bei “Dr. Google” grundsätzlich mit Vorsicht zu genießen.

Die nicht immer einwandfreie Transparenz von Vergleichsportalen ruft regelmäßig und parteiübergreifend Politiker auf den Plan, ebenso Verbraucherschützer und Behörden. 
Welche Argumente prägen die Diskussion? Worauf sollten Sie bei Gesundheitsportalen achten? Was zeichnet seriöse Angebote aus? Welche Portale lohnen sich? All das erklären wir Ihnen hier.

Was sind öffentliche Vergleichsportale?


Die ersten Preisvergleichsportale sind in den 1990er-Jahren entstanden. Über 1.000 Anbieter gibt es aktuell im deutschsprachigen Raum. Vergleichsportale sind in der Regel kostenlos. Die meisten finanzieren sich durch Werbung oder Provisionen bei erfolgreich abgeschlossenen Verträgen.

Der Großteil arbeitet nach dem White-Label-Prinzip. Das heißt: Ein Portal nutzt die Datenbank und den Algorithmus eines anderen. Diese Praxis ist umstritten. 
Zu den bekanntesten Vergleichsportalen gehören “Check24” oder “Verivox”, die neben Autoversicherungen und Stromtarifen auch Produkte wie Kranken- und Krankenzusatzversicherungen vergleichen.

Spezialisierte Gesundheits-Vergleichsportale sind unter anderem “Jameda”, “Netdoktor”, “Weiße Liste”, “Sanego” oder “Klinikbewertungen”. Daneben können Sie in hunderten Fachportalen, in Foren oder in Blogs wie “Gymondo” oder “Gesund im Leben” nach Fitness- und Ernährungstipps, Heilprodukten oder Pflegebetreuungen suchen.

Der Medizinische Dienst der Krankenkassen (MDK) bietet Ihnen einen offiziellen Vergleich von Pflegeheimen, -einrichtungen und -diensten an. Die Politiker haben speziell hierbei in diesem Jahr eine strengere Qualitätsprüfung durchgesetzt. Der sogenannte “Pflege-TÜV” ist seit November 2019 verpflichtend und soll zu transparenten und verlässlichen Bewertungen führen.

Ausgewählte Gesundheitsportale im Überblick:

www.klinikbewertungen.de: Das Bewertungsportal gilt als eines der ersten Gesundheitsportale in Deutschland. Es gehört in das Portfolio von www.medizinfo.de und versteht sich als unabhängige Plattform für den Austausch von Erfahrungen mit Krankenhäusern und Kliniken in Deutschland.

www.jameda.de: Das Bewertungsportal für Ärzte wird von der Burda Digital GmbH betrieben. Hier können Sie Empfehlungen über Ärzte austauschen, nach dem Facharzt in Ihrer Nähe suchen und online Termine vereinbaren.

www.netdoktor.de: Diese von der Stiftung Warentest mit “gut” bewertete Website wurde von einem dänischen Arzt in Zusammenarbeit mit einem Fachjournalisten gegründet. Heute gehört sie zum Hubert Burda-Konzern. Das Portal trägt ein Qualitätssiegel und informiert über alles rund um Medizin und Gesundheit.

www.weisseliste.de: Die Weiße Liste wird von der Bertelsmann Stiftung gefördert und befolgt den sogenannten HONcode Standard für vertrauensvolle Gesundheitsinformationen. Die Bundesbeauftragte für die Belange von Patientinnen und Patienten hat die Schirmherrschaft dieses Portals übernommen. Die Seite hilft Ihnen bei der Arzt- und Kliniksuche oder bei der Auswahl einer passenden Pflegeeinrichtung.

www.sanego.de: Das Portal Sanego finanziert sich über Werbung, ist aber laut eigener Aussage unabhängig von Pharma-Konzernen, Behörden oder Verbänden. Hier können Sie nach Ärzten suchen und sich über vielfältige Themen rund um Medizin und Gesundheit informieren.

www.gesundheitsinformation.de: Dieses Fachportal zu medizinischen Themen verpflichtet sich dem HONcode Standard für vertrauenswürdige Gesundheitsinformationen. Betreiber ist das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG), eine fachlich unabhängige wissenschaftliche Einrichtung.

www.pflege.de: Hier finden Sie umfassende Informationen zu allem, was mit Pflege sowie Leben und Wohnen im Alter zu tun hat. Das Vergleichsportal trägt ein TÜV-Siegel. Finanziell gefördert wird das Portal unter anderem von der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW).

www.apothekenumschau.de: Das Online-Magazin der auflagenstarken Kundenzeitschrift “Apotheken Umschau” informiert über Krankheiten, Behandlungen und Servicethemen wie Fitness und gesunde Ernährung. Das vormals unter dem Namen “Gesundheit Pro” bekannte Angebot ist von der Stiftung Gesundheit zertifiziert. Von der Stiftung Warentest gab es die Note “gut”.

www.gesundimleben.com: “Gesund im Leben” ist ein Gesundheits-Portal aus der Schweiz. Das Angebot ist werbefinanziert. So finden Sie hier eine Fülle an Inseraten von Gesundheits- oder Wellnessdienstleistungen. Von Fußpflege bis Babysitter: Die etwas unübersichtliche Struktur der Website erinnert an das Online-Auktionshaus Ebay.

www.vitanet.de: Das von der Stiftung Warentest mit “gut” benotete Portal ist mehrfach zertifiziert und wird von der vitapublic GmbH betrieben. Neben ausführlichen Infos zu Krankheiten, Homöopathie und Vorsorge widmet sich das Portal stark dem Thema E-Health.

Was sagt das Bundeskartellamt zu Gesundheits-Vergleichsportalen?

Vergleichsportale geraten regelmäßig in die Kritik. Die Vorwürfe: Nicht immer listen die Portale tatsächlich alle Marktangebote auf, das Ranking in der Ergebnisdarstellung ist an die Höhe der Provisionszahlungen gekoppelt, Rezensionen werden gefälscht und Verbraucher nicht umfassend über alle Preisdetails und Konditionen informiert.

Zum Teil, so das Bundeskartellamt in einer Meldung vom April 2019, komme es “zu verbraucherschädigenden Irreführungen, Transparenzverstößen oder Schleichwerbung.” Um Verbrauchern dabei zu helfen, seriöse und unseriöse Vergleichsportale auseinanderzuhalten, haben Politiker vom Bundesministerium für Justiz und für Verbraucherschutz das Projekt “Gesund im Netz” ins Leben gerufen.

In Planung ist zudem ein nationales Gesundheitsportal nach dänischem oder australischem Vorbild. An den Start gehen soll es im Jahr 2021. Damit will Berlin die Gesundheitskompetenz der Bürger stärken und ihnen verlässliche Informationen an die Hand geben. Kritiker bezweifeln, dass ein zentrales Portal allein dieser Aufgabe gerecht werden kann.

Warum sollte man nicht auf diese Portale verzichten?

Warum sollte man nicht auf diese Portale verzichtenDie Gesundheitswirtschaft wird digital. In diesem Jahr haben die Politiker in Berlin das sogenannte Digitale-Versorgung-Gesetz (DVG) beschlossen. Damit wollen sie die Digitalisierung forcieren. Online-Sprechstunden, elektronische Gesundheitsakte, Gesundheits-Apps – das wird bald Realität im deutschen Gesundheitswesen.

Für Patientinnen und Patienten haben E-Angebote und damit auch Gesundheits-Vergleichsportale grundsätzlich Vorteile. Als Verbraucher können Sie aktiv entscheiden, welche Dienste Sie in Anspruch nehmen möchten und welche nicht. Vergleichsportale sind hier ein nützlicher Sparring-Partner, um Leistungen zu vergleichen oder den Arzt des Vertrauens zu finden.

Nutzen Sie Vergleichsportale immer mit der nötigen Vorsicht. Dann sind sie eine nützliche Orientierungshilfe im Angebots-Dschungel. Darum sind viele Gesundheits-Vergleichsportale nutzlos
. Es ist eine Herausforderung, seriöse und nützliche Vergleichsportale, Foren oder Blogs zu erkennen.

Im Netz sind unzählige vermeintliche Experten unterwegs, die Ihnen kostspielige, aber wirkungslose Medikamente oder Behandlungen “andrehen” wollen. Gesundheits-Vergleichsportale werden mit dem Zweck betrieben, Gewinne zu erwirtschaften. Vorsicht ist geboten, wenn Vergleichsportale Heilung versprechen oder Produkte von Anbietern verkaufen, über die sie ihre Website finanzieren.  Informationen, die Sie dort lesen, sind nicht objektiv und damit nutzlos und unseriös.

Qualitätsmerkmale für seriöse Gesundheits-Vergleichsportale sind unter anderem: eine objektive, sachliche und verständliche Vermittlung von Informationen, die Vermeidung ideologischer Begriffe, hohe Aktualität der Beiträge, Quellenangaben, Tipps und Infos zu ergänzenden Angeboten, vollständige Angaben im Impressum und korrekte Datenschutzhinweise.

Was sagt die Verbraucherzentrale?

Der Bundesverband der Verbraucherzentrale in Deutschland (vzbv) hat in den vergangenen Jahren mehrere Studien zur Qualität von Vergleichsportalen durchgeführt. Im Ergebnis fordern die Verbraucherschützer von der Politik klare, gesetzliche Regelungen.

Konkret sollen Vergleichsportale branchenübergreifend dazu gezwungen werden, Objektivität herzustellen, Provisionen transparent zu machen, Informationspflichten einzuführen und die Reichweite der Vergleiche offenzulegen. Nur so habe der Verbraucher nachhaltig die Chance auf Durchblick und zuverlässige und transparente Ergebnisse.

In dem Positionspapier von 2017 geht der vzbv explizit auch auf die sogenannten “Vergleichsportale für Vertrauensgüter” ein. Dazu zählen auch die Gesundheits-Vergleichsportale. Der vzbv fordert die Politiker auf, für diese Internetangebote besonders strenge Regeln einzuführen, unter anderem ein Provisionsverbot.

Der vzbv begründet dies damit, dass Fehl-Entscheidungen zum Beispiel bei einer Pflegeform oder einer Behandlung zu einer existenziellen Notlage führen können. Darüber hinaus rät der vzbv ebenso wie das Bundeskartellamt, Vergleichsportale jederzeit kritisch zu nutzen und den Ergebnissen nicht blind zu vertrauen.

Sind Gesundheits-Vergleichsportale vertrauenswürdig?

Apropos Vertrauen: Es gibt sie, die vertrauenswürdigen Gesundheits-Vergleichsportale im Internet. Erkennbar sind diese unter anderem an den verschiedenen Qualitätssiegeln. So sind die Portale “Weiße Liste” oder das Portal des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen mit dem Zertifikat der internationalen Stiftung Health On The Net (HON) ausgezeichnet worden.

Das anerkannte Siegel erhalten nur jene Websites, die strenge Vorgaben mit Blick auf einen ethischen und qualitativen Standard erfüllen. So müssen etwa Inhalt und Werbung klar getrennt sein.
 Einen Überblick über empfehlenswerte Gesundheits-Vergleichsportale hat das Bundesministerium für Justiz und für Verbraucherschutz im “Digitalen Kompass” zusammengestellt.

Auch in der Broschüre “Wegweiser durch die digitale Welt” finden insbesondere ältere Menschen Ratschläge und empfehlenswerte Links. 

Augen auf bei der Recherche in Gesunheitsportalen.

Bewertung

Gesundheits-Vergleichsportale helfen Ihnen, wenn Sie Fragen haben zu bestimmten medizinischen oder gesundheitlichen Themen. Die Online-Portale dienen der Vergleichbarkeit von Dienstleistungen und Angeboten von Kliniken, Ärzten, Pflegeheimen oder Wellnesseinrichtungen.

Als Verbraucher können Sie sich bequem zu Hause mit den Erfahrungen anderer Patienten auseinandersetzen und sich einen Überblick über die Optionen in Ihrer Nachbarschaft verschaffen. Dank “Dr. Google” finden Sie im Internet in kurzer Zeit eine Fülle an Informationen – quasi eine digitale zweite Meinung. Allerdings sollten Sie nicht allein auf die Tipps und Ratschläge der Gesundheits-Vergleichsportale vertrauen.

Online-Recherchen ersetzen niemals das Beratungsgespräch beim Facharzt. Zusätzlich zeigt die laufende politische Debatte über strengere gesetzliche Rahmenbedingungen oder die Einführung eines nationalen Gesundheitsportals im deutschen Gesundheitswesen: Mehr ist manchmal nicht mehr. Die Vielzahl teils unseriöser Gesundheitsportale im Netz verunsichert die Verbraucher und birgt das Risiko von Fehlentscheidungen und -käufen.

Deshalb lautet das Fazit: Augen auf bei der Recherche in Gesundheitsportalen. Glauben Sie nicht alles, was Sie lesen. Schauen Sie ins Impressum und prüfen Sie, wer das Portal betreibt und welches Finanzierungsmodell dahinter steckt. Nutzen Sie mehrere Portale. Vergleichen Sie die Treffer der Gesundheits-Vergleichsportale grundsätzlich auch mit den Preisen der Anbieter in deren Shops.

Nicht immer finden Sie im Internet den günstigsten Preis. 
Und nicht vergessen: Manchmal ist auch der Gang zu einem persönlichen Gespräch mit Ihrem Arzt sehr viel mehr wert.

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